Pressemitteilung: NTFN e.V. fordert sofortige Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland und dem griechisch-türkischen Grenzgebiet

Das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN) spricht sich für die sofortige Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Geflüchteten aus den überfüllten griechischen Lagern aus. Das erklärte der Verein bei einem Treffen mit der Nds. Sozialministerin Dr. Carola Reimann am heutigen Donnerstag. Insbesondere Kinder und Jugendliche leiden unter den miserablen Zuständen in den Camps und an der griechisch-türkischen Grenze. Im Gespräch mit der Ministerin erläuterte der Verein bestehende Versorgungsmöglichkeiten und versprach Unterstützung, sollte es ein Landesaufnahmeprogramm in Niedersachsen geben.

Auch Sozialministerin Dr. Carola Reimann unterstützt das Vorhaben und die Arbeit des NTFN e.V.:  „Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen von Flucht und Vertreibung am meisten. Deshalb bin ich froh, dass wir mit dem Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen Strukturen haben, die diesen besonders traumatisierten jungen Menschen helfen und ihnen Wege in ein selbstbestimmtes Leben in unserer Gesellschaft ebnen können. Vor diesem Hintergrund wäre die Aufnahme einer Gruppe von geflüchteten Kindern und Jugendlichen von den griechischen Inseln in Niedersachsen gut zu bewältigen und ein notwendiger Akt der Menschlichkeit.“

Aus Sicht der Fachkräfte ist eine Aufnahme allein schon aus gesundheitlicher Sicht notwendig. Je länger die katastrophalen Zustände andauern, in denen die Betroffen leben müssen, umso stärkeren Schaden können sie hinterlassen.
„Das ist fatal für die Betroffenen, aber auch fatal für unsere Gesellschaft. Integration gestaltet sich schwer, wenn man schwerst traumatisiert ist“, so die Geschäftsführerin des NTFN e.V., Karin Loos.

Der NTFN e.V. sieht sich gut aufgestellt, sollte die Forderung nach einem Sonderkontingent für unbegleitete Minderjährige erfolgreich sein. Mit Unterstützung des Nds. Sozialministeriums wurde im vergangenen Jahr das Angebot für traumatisierte und psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche ausgebaut. An vier Standorten in Niedersachsen (Braunschweig, Göttingen, Hannover, Osnabrück) können Kinder und Jugendliche spezielle Sprechstunden bei einem Therapeuten oder einer Therapeutin aufsuchen, bei Bedarf mit Unterstützung durch Dolmetschende. Auch die Vermittlung in eine langfristige Therapie oder die Teilnahme an therapeutischen Gruppen ist möglich.

Konzentrationsschwierigkeiten, Wutausbrüche, aber auch Rückzug und Apathie können bei Kindern mit Fluchterfahrung auf eine Traumatisierung hindeuten – auch um solches Verhalten richtig einordnen zu können, wurde das sogenannte Flüchtlingskindertelefon für Ehrenamtliche sowie pädagogische Fachkräften eingerichtet (mit Unterstützung von nifbe). Insbesondere Schulen und Kitas, in denen auffälliges Verhalten häufig als erstes deutlich wird, machen von dem Angebot Gebrauch.

Bereits 2017 hatte das Land über ein Sonderprogramm traumatisierte jezidische Frauen und Kinder aus dem Nordirak nach Niedersachsen geholt. Dass ein solches Programm drängender denn je ist, zeigt die jüngst verschärfte Lage an der griechisch-türkischen Grenze und in Idlib.

„Wir haben die nötige Struktur und Erfahrung, um zu helfen“, sagt NTFN-Geschäftsführerin Loos. Der Ruf nach einem Sonderprogramm erfährt indes eine immer breitere gesellschaftliche Unterstützung. Zuletzt hatte auch die Kommission zu Fragen der Migration und Teilhabe die Landesregierung aufgefordert, besonders schutzbedürftige Geflüchtete aus den griechischen Inseln in Niedersachsen aufzunehmen.

Der NTFN e.V. setzt sich seit 2007 für die psychosoziale Beratung und Behandlung von Geflüchteten ein. Es wird u.a. durch das Nds. Sozialministerium, aber auch durch Spenden finanziert.

(Hannover, 5. März 2020)