Wird die EU-Aufnahmerichtlinie in Niedersachsen umgesetzt? Präsentation der Evaluationsergebnisse in Hannover

Im Beisein von Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde, hat unsere Mitarbeiterin Jenny Thomsen die Ergebnisse ihrer Evaluation vorgestellt. Dabei ging es um die Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU in Niedersachsen. Diese sieht u.a. vor, dass Flüchtlinge mit besonderer Schutzbedürftigkeit – also auch traumatisierte und psychisch erkrankte Menschen – frühzeitig als solche erkannt werden und die entsprechende Unterstützung erfahren. Mit dem wegweisenden “Friedländer Modell”, das eine enge Zusammenarbeit zwischen Landesaufnahmebehörden, Sozialdiensten, psychiatrischen Kliniken und dem NTFN vorsieht, wurden entsprechende Schritte gegangen. Ähnliche Modelle wurden in Braunschweig und Bramsche umgesetzt.

Diese Zusammenarbeit hat Frau Thomsen in den letzten zwei Jahren evaluiert. Zur Präsentation der Evaluationsergebnisse am 18. Mai 2018 im Haus der Jugend Hannover waren Vertreter/innen aller evaluierten Standorte geladen. Frau Thomsen dankte ihnen für die Bereitschaft, ihre Arbeit von einer externen Person evaluieren zu lassen: “Das ist keine Selbstverständlichkeit!”

Jenny Thomsen, Evaluationsbeauftragte

Jenny Thomsen, Evaluationsbeauftragte

Zu beginn richtete Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V., einige Worte an das etwa dreißig Personen umfassende Fachpublikum. Sie stellte u.a. die neuen NTFN-Mitarbeiter/innen an den LAB Standorten vor und bedankte sich bei Frau Thomsen, dass Sie sich an die wechselnden Bedingungen in den letzten Jahren angepasst und ihr Evaluationskonzept kontinuierlich weiterentwickelt hat.

Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V.

Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V.

Anschließend präsentierte Jenny Thomsen ihre Ergebnisse. Sie stellte fest, dass das Modell zur Früherkennung die Anforderung der EU-Aufnahmerichtlinie erfüllt. Die MitarbeiterInnen der beteiligten Dienststellen kennen und verstehen ihre Aufgaben zur Früherkennung. Das Klientel wird durch den Sozialdienst gut erreicht und das Modell schließt auch die Gesundheitsdienste, die fachliche Diagnostik und die Weiterleitung in die Versorgung durch das NTFN ein. Dennoch besteht in der Umsetzung noch Optimierungsbedarf, um die EU-Aufnahmerichtlinie tatsächlich zu erfüllen. Beispielsweise ist die Anzahl der Fälle, die nach ihren diagnostischen Gesprächen tatsächlich eine Behandlung beginnen können, an allen Standorten niedrig. Daher wurden auf Basis der strukturierten Interviews Optimierungsmöglichkeiten identifiziert, aus denen Frau Thomsen Handlungsempfehlungen entwickelt hat. Diese sollte als Hilfe betrachtet werden, um die Ergebnisse der Evaluation umsetzen zu können. Nach ihrer Präsentation übergab Frau Thomsen den anwesenden Standortmitarbeiter/innen den Evaluationsbericht, der auch jene Handlungsempfehlungen enthält.

 

Flussdiagramm

Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten im sogenannten “Friedländer Modell”

In seinen Abschlussworten zeigte sich Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde, gesprächsbereit und offen, mit den Handlungsempfehlungen zu arbeiten.

Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen

Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen

Den Evaluationsbericht können Sie unter j.thomsen@ntfn.de bestellen. Die Evaluation ist Teil des durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU (AMIF) geförderten Projekts “Ist Gesundheit teilbar!?” – Kapazität, Struktur und Qualität (KaSQu), koordiniert durch den BAfF e.V.