Schwachstellen d​er Versorgung: Daten​ zur psychosozialen ​Unterstützung von Flüchtlingen

die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. hat gestern ihren neuen Bericht zur Versorgungssituation von Flüchtlingen und Folteropfern veröffentlicht. Der Versorgungsbericht stellt vor, inwieweit es für Flüchtlinge, die mit psychischen Belastungen kämpfen, in Deutschland Behandlungsangebote gibt und wie viele Flüchtlinge tatsächlich behandelt werden können. Der Bericht fasst Befunde zum Versorgungsbedarf traumatisierter Flüchtlinge zusammen und legt dar, welche Versorgungs- und Gesundheitsleistungen Flüchtlingen nach Vorgaben internationaler Konventionen und EU-Richtlinien zustehen.

So wurden im Jahr 2015 in den in der BAfF vernetzten 32 Psychosozialen Zentren 14.109 KlientInnen betreut, davon erhielten 82 Prozent Beratungen (11.571) und 36 Prozent eine Psychotherapie (5.147 Personen). Doch dies stellt umgerechnet nur einen Anteil von lediglich fünf Prozent der psychisch erkrankten Flüchtlinge dar, wenn man nach Studienlage davon ausgeht, dass etwa 40 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland unter Traumafolgestörungen leiden (=379.848). Selbst wenn nur ein Drittel der erkrankten Personen auch tatsächlich eine Behandlung wahrnehmen wollen würde, dann bliebe für das Jahr 2015 ein Anteil von 85 Prozent, auf den nicht im Umfeld der Psychosozialen Zentren reagiert werden konnte. Entsprechend mussten die Psychosozialen Zentren auch 2015 sehr viele Menschen ablehnen, die bei ihnen um Unterstützung baten.

Dieser Situation kann nur durch einen Ausbau der Behandlungskapazitäten innerhalb und außerhalb der Psychosozialen Zentren begegnet werden. Niedergelassene PsychotherapeutInnen müssen Möglichkeiten erhalten, sich unbürokratisch an der Versorgung von Geflüchteten zu beteiligen, die Psychosozialen Zentren als Hauptakteure in diesem Feld müssen in ihren Strukturen und Ressourcen gestärkt werden.

Der Versorgungsbericht ist unter
http://www.baff-zentren.org/news/neuer-versorgungsbericht-zur-psychosozialen-versorgung-von-fluechtlingen-in-deutschland/
abrufbar.

Die Pressemitteilung mit einer Kurzzusammenfassung der Ergebnisse finden Sie
hier.