Pressemitteilung vom 11.7.18: Immer mehr Flüchtlinge in Niedersachsen suchen die Hilfe von Therapeut/innen

Das zeigt die Halbjahresbilanz, die das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN e.V.) diese Woche vorgestellt hat. Um insbesondere Kinder und Jugendliche besser zu unterstützen, wurden die Kindersprechstunden ausgebaut. Der neuen Schirmherrin des Vereins, der Niedersächsischen Sozialministerin Dr. Carola Reimann (SPD), wurden am Mittwoch die Ergebnisse vorgestellt.

Landesweit kümmert sich der NTFN e.V., um die seelische Gesundheit von Menschen, die aus ihrem Heimatland flüchten müssen. Bei einem Besuch der Sozialministerin im Psychosozialen Zentrum Hannover, dem größten Behandlungszentrum des Vereins, wurden ihr die jüngsten Zahlen überreicht. Mit 628 Personen allein im ersten Halbjahr ist für 2018 ein Betreuungszuwachs von 14% zu erwarten. Bereits in den vergangenen Jahren waren die Zahlen kontinuierlich gestiegen.

„Das vom Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen gegründete Psychosoziale Zentrum bietet Diagnostik, Krisenintervention, psychosoziale Beratung, Psychotherapie und Therapie-vermittlung an. Das strukturierte und regional ausgerichtete Angebot für traumatisierte Flüchtlinge ist ein wichtiger Integrationsbaustein, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche“, erklärt Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann, die zugleich Schirmfrau des Netzwerkes ist.

Trotz sinkender Zugangszahlen von Flüchtlingen nach Deutschland geht der NTFN e.V. davon aus, dass die Nachfrage nach Behandlung zunächst weiter steigen wird. „Nicht alle können sofort über das Erlebte sprechen. Manche schaffen das erst nach Jahren“, so die Geschäftsführerin des NTFN e.V., Karin Loos, „Andere hoffen, es werde von allein besser, und wachen doch jede Nacht schreiend auf.“ Mit Sozialministerin Dr. Reimann sprach sie auch über die vielfältigen Hürden für Flüchtlinge im Gesundheitssystem, etwa die Finanzierung von DolmetscherInnen und Psychotherapien.

Um die vielen minderjährigen PatientInnen besser zu versorgen, findet seit einem halben Jahr eine erweiterte Kindersprechstunde im Psychosozialen Zentrum Hannover statt. Hier können Beratungsgespräche für Kinder und Jugendliche vereinbart werden, bei Bedarf mit Unterstützung von Dolmetscher/innen. Die Therapeut/innen arbeiten teils ehrenamtlich, teils auf Honorarbasis. Die Sprechstunde wird vom Kinderschutzzentrum Hannover unterstützt.

Häufig werden die jungen KlientInnen von den Schulen sowie den Kinder- und Jugendeinrichtungen weitergeleitet. Dort ist man über die Unterstützung durch das NTFN froh. „Nach dem ersten Kind fragen sie häufig, ob sie noch mehr vorbeischicken dürfen“, so Katrin Gliemann, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin im Psychosozialen Zentrum Hannover. Für pädagogische Kräfte ist zudem ein Flüchtlingskindertelefon eingerichtet, das bei Fragen zum Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen hilft.

Die Arbeit des NTFN wird neben Spenden, Bundes- und EU-Mittel insbesondere durch das Sozialministerium gefördert.

Für Rückfragen kontaktieren Sie bitte a.wuehle@ntfn.de.