Aktuelles

NTFN war mit dabei: Friedensmarsch am 3. September 2018 in Hannover

Freitag den 7.09.2018

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Rund 3.000 Menschen haben nach den jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz für eine offene Gesellschaft, gegen Gewalt und Rassismus demonstriert – darunter waren neben dem Nds. Ministerpräsidenten Stephan Weil auch mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des PSZ Hannover. Verschiedene Bündnisse hatten zu dem Marsch aufgerufen, der vom Maschsee bis zum Mahnmal Aegidienkirche führte.

Dass sich die Stimmung im Land ändert, merken wir auch in unserer täglichen Arbeit. Immer wieder werden unsere Klientinnen und Klienten Opfer rassistischer Anfeindungen. Dass diese Situation nicht nur Geflüchtete, sondern uns als Gesamtgesellschaft krank macht, hat der NTFN e.V. in einer kürzlich veröffentlichten Erklärung dargestellt.


NTFN e.V. unterstützt den Aufruf #unteilbar

Freitag den 31.08.2018

Wir unterstützen den Aufruf für eine offene und freie Gesellschaft, hinter das sich ein breites Bündnis an Organisationen und Prominenten unter dem #unteilbar stellt. Den Aufruf in verschiedenen Sprachen sowie Informationen zu der geplanten Großdemonstration am 13. Oktober 2018 in Berlin finden Sie hier: www.unteilbar.org


NDR-Bericht zu Hilfsangeboten für psychisch kranke Flüchtlinge

Freitag den 24.08.2018

Der NDR hat einen Beitrag zu Hilfsangeboten für psychisch kranke Flüchtlinge auf seiner Homepage, der am 16. Juni 2018 auch im Radio NDR Info lief. Darin wird das NTFN als wichtige Anlaufstelle in Niedersachsen genannt. Den vollständigen Beitrag von Elisabth Weydt finden Sie unter

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Wo-es-Hilfe-fuer-psychisch-kranke-Fluechtlinge-gibt,krankefluechtlinge100.html


Verschärfungen in der europäischen Flüchtlingspolitik

Freitag den 17.08.2018

Verbote von Hafeneinfahrten und Rückführungen in unsichere Herkunftsländer verschärfen die Siutation von Flüchtenden zunehmend. Nach einem Bericht von Amnesty International sind in den letzten zwei Monaten mehr als 700 Menschen im Mittelmeer ertrunken.  „Die Verantwortung für die steigenden Todesfälle tragen vor allem die europäischen Regierungen, die stärker damit beschäftigt sind, wie sie Menschen fernhalten können als Leben zu retten“, zitiert die Frankfurter Rundschau Matteo de Bellis von Amnesty International.

Mehr zur aktuellen Situation und den politischen Absichten der EU-Staaten finden Sie im Artikel “Immer mehr Tote im Mittelmeer” der Frankfurter Rundschau: http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/fluechtlinge-immer-mehr-tote-im-mittelmeer-a-1562406.


Pressemitteilung: Lange Wartezeiten und mehr Ablehnungen – aktualisierte Daten zur psychosozialen Versorgung von Geflüchteten

Freitag den 10.08.2018

Die BAfF stellt ihren aktuellen Versorgungsbericht vor. Wir dokumentieren hier die vollständige Pressemitteilung:

Psychisch erkrankte Geflüchtete finden in Deutschland nur eingeschränkt Zugang zu psychosozialen Unterstützungsangeboten. Nach den Ergebnissen einer Datenerhebung, die jährlich von der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) e.V. durchgeführt wird, können die bundesweit 37 spezialisierten Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge noch immer nur einen Bruchteil der Geflüchteten versorgen, die sich mit Behandlungs- und Beratungsanfragen an sie wenden. Die Wartezeit auf eine Psychotherapie beträgt durchschnittlich 6 Monate, die Ablehnungszahlen sind um 85% gestiegen und die Perspektive für die Einrichtungen und ihre Klient*innen bleibt unsicher.

 
 
Mit dem Versorgungsbericht der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) wird jährlich überprüft, inwieweit für traumatisierte Geflüchtete bedarfsgerechte Behandlungsangebote verfügbar, zugänglich und tatsächlich erreichbar sind. Die aktuelle Auflage gibt dabei erstmals auch geflüchteten Klient*innen selbst das Wort. „Geflüchtete haben selten die Gelegenheit, öffentlich auf ihr Schicksal und ihre Interessen aufmerksam zu machen. Deshalb war es uns für diesen Bericht wichtig, die Biographien unserer Klient*innen nicht hinter abstrakten Statistiken verschwinden zu lassen“, kommentiert Lea Flory, eine der beiden Autorinnen.
 
Im Versorgungsbericht der BAfF beschreiben Klient*innen der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge, wie sie Krieg, Verfolgung und Flucht er- und überlebt haben und was sie jetzt brauchen, um hier einen sicheren Ort zu finden. Die Autor*innen verknüpfen diese Perspektiven mit Länderinformationen zu den Regionen aus denen die Gesprächspartner*innen fliehen mussten und kontextualisieren sie durch Hintergrundwissen zu psychischen Erkrankungen bei Geflüchteten. Sie stellen vor, welche Versorgungsangebote in den 37 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer bestehen und wo sie zentrale Versorgungsdefizite identifizieren, denen sich Politik und Verwaltung annehmen sollten.
 
So hätten die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer im Jahr 2016 zwar insgesamt 17.674 Klient*innen versorgt – die Versorgungskapazität sei also um 25% gestiegen. „Diese zusätzlichen Behandlungsplätze stehen aber in keiner Relation zur Nachfrage“, gibt Jenny Baron zu denken, die für die BAfF seit 2012 Daten zur psychosozialen Versorgung von Geflüchteten erhebt. In einigen Regionen sei die Versorgungssituation so angespannt, dass schwer traumatisierte Geflüchtete bis zu eineinhalb Jahre auf den Beginn ihrer Therapie warten müssen: „Das ist nicht hinnehmbar. Hier entstehen unnötig zusätzliches Leid und vermeidbare Folgekosten. Krisen spitzen sich zu und Menschen, die ambulant gut hätten versorgt werden können, müssen stationär aufgenommen werden.“ Auch die Zahl der Geflüchteten, für die aus Kapazitätsgründen nicht einmal ein Platz auf der Warteliste vergeben werden konnte, sei im Berichtszeitraum um 85% gestiegen. Die Zahl der Ablehnungen sei mit über 10.000 Personen pro Jahr inzwischen sogar höher als die Anzahl der Geflüchteten, die von den Zentren neu aufgenommen werden konnten.
 
Die Kapazitätsprobleme der Zentren seien dabei eng mit der eingeschränkten Zugänglichkeit des Gesundheitssystems für Geflüchtete verbunden. So würden 93% der Psychotherapien in den Psychosozialen Zentren durch Projekt- und Spendengelder sowie in der Regel zeitlich begrenzte Zuschüsse aus Bundes- und Landesmitteln finanziert und nicht durch die eigentlich verantwortlichen Kostenträger des Gesundheits- und Sozialsystems, d.h. die Sozialbehörden, die Krankenkassen und die Jugendämter. Hier werde deutlich, wie abhängig die Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten – eigentlich eine staatliche Aufgabe – noch immer von begrenzten und zeitlich instabilen Projektmitteln sowie von privaten Zuschüssen sei: „Gesundheitliche Versorgung sollte aber kein humanitärer Akt sein“, wendet Baron ein. „Gesundheit ist ein Menschenrecht, das allen hier lebenden Personen diskriminierungsfrei gewährt werden muss.“
 
Angesichts der langen Wartezeiten und der hohen Ablehnungszahlen in den Psychosozialen Zentren identifiziert die BAfF akuten Handlungsbedarf. Der Verband fordert einen gleichberechtigten Zugang für Geflüchtete zu den Strukturen des Gesundheitssystems. Dazu gehöre auch, Sprachmittlung als notwendigen Bestandteil der Krankenbehandlung sicherzustellen und das Versorgungsangebot der 37 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer durch eine nachhaltige Finanzierungsstruktur abzusichern.
 
Zum Versorgungsbericht der BAfF (pdf): http://www.baff-zentren.org/veroeffentlichungen-der-baff/versorgungsberichte-der-baff/
 
Zur Bestellung der Printversion: http://www.baff-zentren.org/veroeffentlichungen-der-baff/shop/