Aktuelles

Verschärfungen in der europäischen Flüchtlingspolitik

Freitag den 17.08.2018

Verbote von Hafeneinfahrten und Rückführungen in unsichere Herkunftsländer verschärfen die Siutation von Flüchtenden zunehmend. Nach einem Bericht von Amnesty International sind in den letzten zwei Monaten mehr als 700 Menschen im Mittelmeer ertrunken.  „Die Verantwortung für die steigenden Todesfälle tragen vor allem die europäischen Regierungen, die stärker damit beschäftigt sind, wie sie Menschen fernhalten können als Leben zu retten“, zitiert die Frankfurter Rundschau Matteo de Bellis von Amnesty International.

Mehr zur aktuellen Situation und den politischen Absichten der EU-Staaten finden Sie im Artikel “Immer mehr Tote im Mittelmeer” der Frankfurter Rundschau: http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/fluechtlinge-immer-mehr-tote-im-mittelmeer-a-1562406.


Pressemitteilung: Lange Wartezeiten und mehr Ablehnungen – aktualisierte Daten zur psychosozialen Versorgung von Geflüchteten

Freitag den 10.08.2018

Die BAfF stellt ihren aktuellen Versorgungsbericht vor. Wir dokumentieren hier die vollständige Pressemitteilung:

Psychisch erkrankte Geflüchtete finden in Deutschland nur eingeschränkt Zugang zu psychosozialen Unterstützungsangeboten. Nach den Ergebnissen einer Datenerhebung, die jährlich von der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) e.V. durchgeführt wird, können die bundesweit 37 spezialisierten Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge noch immer nur einen Bruchteil der Geflüchteten versorgen, die sich mit Behandlungs- und Beratungsanfragen an sie wenden. Die Wartezeit auf eine Psychotherapie beträgt durchschnittlich 6 Monate, die Ablehnungszahlen sind um 85% gestiegen und die Perspektive für die Einrichtungen und ihre Klient*innen bleibt unsicher.

 
 
Mit dem Versorgungsbericht der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) wird jährlich überprüft, inwieweit für traumatisierte Geflüchtete bedarfsgerechte Behandlungsangebote verfügbar, zugänglich und tatsächlich erreichbar sind. Die aktuelle Auflage gibt dabei erstmals auch geflüchteten Klient*innen selbst das Wort. „Geflüchtete haben selten die Gelegenheit, öffentlich auf ihr Schicksal und ihre Interessen aufmerksam zu machen. Deshalb war es uns für diesen Bericht wichtig, die Biographien unserer Klient*innen nicht hinter abstrakten Statistiken verschwinden zu lassen“, kommentiert Lea Flory, eine der beiden Autorinnen.
 
Im Versorgungsbericht der BAfF beschreiben Klient*innen der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge, wie sie Krieg, Verfolgung und Flucht er- und überlebt haben und was sie jetzt brauchen, um hier einen sicheren Ort zu finden. Die Autor*innen verknüpfen diese Perspektiven mit Länderinformationen zu den Regionen aus denen die Gesprächspartner*innen fliehen mussten und kontextualisieren sie durch Hintergrundwissen zu psychischen Erkrankungen bei Geflüchteten. Sie stellen vor, welche Versorgungsangebote in den 37 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer bestehen und wo sie zentrale Versorgungsdefizite identifizieren, denen sich Politik und Verwaltung annehmen sollten.
 
So hätten die Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer im Jahr 2016 zwar insgesamt 17.674 Klient*innen versorgt – die Versorgungskapazität sei also um 25% gestiegen. „Diese zusätzlichen Behandlungsplätze stehen aber in keiner Relation zur Nachfrage“, gibt Jenny Baron zu denken, die für die BAfF seit 2012 Daten zur psychosozialen Versorgung von Geflüchteten erhebt. In einigen Regionen sei die Versorgungssituation so angespannt, dass schwer traumatisierte Geflüchtete bis zu eineinhalb Jahre auf den Beginn ihrer Therapie warten müssen: „Das ist nicht hinnehmbar. Hier entstehen unnötig zusätzliches Leid und vermeidbare Folgekosten. Krisen spitzen sich zu und Menschen, die ambulant gut hätten versorgt werden können, müssen stationär aufgenommen werden.“ Auch die Zahl der Geflüchteten, für die aus Kapazitätsgründen nicht einmal ein Platz auf der Warteliste vergeben werden konnte, sei im Berichtszeitraum um 85% gestiegen. Die Zahl der Ablehnungen sei mit über 10.000 Personen pro Jahr inzwischen sogar höher als die Anzahl der Geflüchteten, die von den Zentren neu aufgenommen werden konnten.
 
Die Kapazitätsprobleme der Zentren seien dabei eng mit der eingeschränkten Zugänglichkeit des Gesundheitssystems für Geflüchtete verbunden. So würden 93% der Psychotherapien in den Psychosozialen Zentren durch Projekt- und Spendengelder sowie in der Regel zeitlich begrenzte Zuschüsse aus Bundes- und Landesmitteln finanziert und nicht durch die eigentlich verantwortlichen Kostenträger des Gesundheits- und Sozialsystems, d.h. die Sozialbehörden, die Krankenkassen und die Jugendämter. Hier werde deutlich, wie abhängig die Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten – eigentlich eine staatliche Aufgabe – noch immer von begrenzten und zeitlich instabilen Projektmitteln sowie von privaten Zuschüssen sei: „Gesundheitliche Versorgung sollte aber kein humanitärer Akt sein“, wendet Baron ein. „Gesundheit ist ein Menschenrecht, das allen hier lebenden Personen diskriminierungsfrei gewährt werden muss.“
 
Angesichts der langen Wartezeiten und der hohen Ablehnungszahlen in den Psychosozialen Zentren identifiziert die BAfF akuten Handlungsbedarf. Der Verband fordert einen gleichberechtigten Zugang für Geflüchtete zu den Strukturen des Gesundheitssystems. Dazu gehöre auch, Sprachmittlung als notwendigen Bestandteil der Krankenbehandlung sicherzustellen und das Versorgungsangebot der 37 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer durch eine nachhaltige Finanzierungsstruktur abzusichern.
 
Zum Versorgungsbericht der BAfF (pdf): http://www.baff-zentren.org/veroeffentlichungen-der-baff/versorgungsberichte-der-baff/
 
Zur Bestellung der Printversion: http://www.baff-zentren.org/veroeffentlichungen-der-baff/shop/

Pressemitteilung vom 11.7.18: Immer mehr Flüchtlinge in Niedersachsen suchen die Hilfe von Therapeut/innen

Freitag den 13.07.2018

Das zeigt die Halbjahresbilanz, die das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN e.V.) diese Woche vorgestellt hat. Um insbesondere Kinder und Jugendliche besser zu unterstützen, wurden die Kindersprechstunden ausgebaut. Der neuen Schirmherrin des Vereins, der Niedersächsischen Sozialministerin Dr. Carola Reimann (SPD), wurden am Mittwoch die Ergebnisse vorgestellt.

Landesweit kümmert sich der NTFN e.V., um die seelische Gesundheit von Menschen, die aus ihrem Heimatland flüchten müssen. Bei einem Besuch der Sozialministerin im Psychosozialen Zentrum Hannover, dem größten Behandlungszentrum des Vereins, wurden ihr die jüngsten Zahlen überreicht. Mit 628 Personen allein im ersten Halbjahr ist für 2018 ein Betreuungszuwachs von 14% zu erwarten. Bereits in den vergangenen Jahren waren die Zahlen kontinuierlich gestiegen.

„Das vom Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen gegründete Psychosoziale Zentrum bietet Diagnostik, Krisenintervention, psychosoziale Beratung, Psychotherapie und Therapie-vermittlung an. Das strukturierte und regional ausgerichtete Angebot für traumatisierte Flüchtlinge ist ein wichtiger Integrationsbaustein, insbesondere auch für Kinder und Jugendliche“, erklärt Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann, die zugleich Schirmfrau des Netzwerkes ist.

Trotz sinkender Zugangszahlen von Flüchtlingen nach Deutschland geht der NTFN e.V. davon aus, dass die Nachfrage nach Behandlung zunächst weiter steigen wird. „Nicht alle können sofort über das Erlebte sprechen. Manche schaffen das erst nach Jahren“, so die Geschäftsführerin des NTFN e.V., Karin Loos, „Andere hoffen, es werde von allein besser, und wachen doch jede Nacht schreiend auf.“ Mit Sozialministerin Dr. Reimann sprach sie auch über die vielfältigen Hürden für Flüchtlinge im Gesundheitssystem, etwa die Finanzierung von DolmetscherInnen und Psychotherapien.

Um die vielen minderjährigen PatientInnen besser zu versorgen, findet seit einem halben Jahr eine erweiterte Kindersprechstunde im Psychosozialen Zentrum Hannover statt. Hier können Beratungsgespräche für Kinder und Jugendliche vereinbart werden, bei Bedarf mit Unterstützung von Dolmetscher/innen. Die Therapeut/innen arbeiten teils ehrenamtlich, teils auf Honorarbasis. Die Sprechstunde wird vom Kinderschutzzentrum Hannover unterstützt.

Häufig werden die jungen KlientInnen von den Schulen sowie den Kinder- und Jugendeinrichtungen weitergeleitet. Dort ist man über die Unterstützung durch das NTFN froh. „Nach dem ersten Kind fragen sie häufig, ob sie noch mehr vorbeischicken dürfen“, so Katrin Gliemann, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin im Psychosozialen Zentrum Hannover. Für pädagogische Kräfte ist zudem ein Flüchtlingskindertelefon eingerichtet, das bei Fragen zum Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen hilft.

Die Arbeit des NTFN wird neben Spenden, Bundes- und EU-Mittel insbesondere durch das Sozialministerium gefördert.

Für Rückfragen kontaktieren Sie bitte a.wuehle@ntfn.de.


Wird die EU-Aufnahmerichtlinie in Niedersachsen umgesetzt? Präsentation der Evaluationsergebnisse in Hannover

Donnerstag den 21.06.2018

[Der NTFN – Evaluationsbericht als PDF]

Im Beisein von Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde, hat unsere Mitarbeiterin Jenny Thomsen die Ergebnisse ihrer Evaluation vorgestellt. Dabei ging es um die Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU in Niedersachsen. Diese sieht u.a. vor, dass Flüchtlinge mit besonderer Schutzbedürftigkeit – also auch traumatisierte und psychisch erkrankte Menschen – frühzeitig als solche erkannt werden und die entsprechende Unterstützung erfahren. Mit dem wegweisenden “Friedländer Modell”, das eine enge Zusammenarbeit zwischen Landesaufnahmebehörden, Sozialdiensten, psychiatrischen Kliniken und dem NTFN vorsieht, wurden entsprechende Schritte gegangen. Ähnliche Modelle wurden in Braunschweig und Bramsche umgesetzt.

Diese Zusammenarbeit hat Frau Thomsen in den letzten zwei Jahren evaluiert. Zur Präsentation der Evaluationsergebnisse am 18. Mai 2018 im Haus der Jugend Hannover waren Vertreter/innen aller evaluierten Standorte geladen. Frau Thomsen dankte ihnen für die Bereitschaft, ihre Arbeit von einer externen Person evaluieren zu lassen: “Das ist keine Selbstverständlichkeit!”

Jenny Thomsen, Evaluationsbeauftragte

Jenny Thomsen, Evaluationsbeauftragte

Zu beginn richtete Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V., einige Worte an das etwa dreißig Personen umfassende Fachpublikum. Sie stellte u.a. die neuen NTFN-Mitarbeiter/innen an den LAB Standorten vor und bedankte sich bei Frau Thomsen, dass Sie sich an die wechselnden Bedingungen in den letzten Jahren angepasst und ihr Evaluationskonzept kontinuierlich weiterentwickelt hat.

Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V.

Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V.

Anschließend präsentierte Jenny Thomsen ihre Ergebnisse. Sie stellte fest, dass das Modell zur Früherkennung die Anforderung der EU-Aufnahmerichtlinie erfüllt. Die MitarbeiterInnen der beteiligten Dienststellen kennen und verstehen ihre Aufgaben zur Früherkennung. Das Klientel wird durch den Sozialdienst gut erreicht und das Modell schließt auch die Gesundheitsdienste, die fachliche Diagnostik und die Weiterleitung in die Versorgung durch das NTFN ein. Dennoch besteht in der Umsetzung noch Optimierungsbedarf, um die EU-Aufnahmerichtlinie tatsächlich zu erfüllen. Beispielsweise ist die Anzahl der Fälle, die nach ihren diagnostischen Gesprächen tatsächlich eine Behandlung beginnen können, an allen Standorten niedrig. Daher wurden auf Basis der strukturierten Interviews Optimierungsmöglichkeiten identifiziert, aus denen Frau Thomsen Handlungsempfehlungen entwickelt hat. Diese sollte als Hilfe betrachtet werden, um die Ergebnisse der Evaluation umsetzen zu können. Nach ihrer Präsentation übergab Frau Thomsen den anwesenden Standortmitarbeiter/innen den Evaluationsbericht, der auch jene Handlungsempfehlungen enthält.

 

Auszug aus dem Evaluationsbericht: Handlungsempfehlungen

Auszug aus dem Evaluationsbericht: Handlungsempfehlungen

Flussdiagramm

Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten im sogenannten “Friedländer Modell”

In seinen Abschlussworten zeigte sich Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde, gesprächsbereit und offen, mit den Handlungsempfehlungen zu arbeiten.

Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen

Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen

Den Evaluationsbericht können Sie unter j.thomsen@ntfn.de bestellen. Die Evaluation ist Teil des durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU (AMIF) geförderten Projekts “Ist Gesundheit teilbar!?” – Kapazität, Struktur und Qualität (KaSQu), koordiniert durch den BAfF e.V.


BAfF: Stellungnahme zu Ankerzentren

Mittwoch den 20.06.2018

Noch immer gibt es keine genauen Pläne, wie die von der Bundesregierung geplanten Ankerzentren aussehen werden – zu groß scheint die Uneinigkeit von Bundesinnenminister Seehofer und Bundeskanzlerin Merkel. Doch alles, was bisher über die geplanten Zentren bekannt ist, lässt für die Geflüchteten, die dort untergebracht werden sollen, nichts Gutes hoffen.

Die BAfF hat zu den geplanten Ankerzentren und den Auswirkungen von Abschottung und Ausgrenzung auf Geflüchtete, Traumatisierte und die Gesellschaft eine neue Stellungnahme verfasst. Diese finden Sie hier sowie auf der Homepage der BAfF unter http://www.baff-zentren.org/news/baff-stellungnahme-ankerzentren/.


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