NTFN feierte 10-jähriges Jubiläum

Zum 10-jährigen Bestehen des „Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V.“ trafen sich prominente Vertreter des Gesundheitswesens, der Menschenrechtsarbeit und der Politik, um über die Zukunft der psychosozialen Versorgung von Geflüchteten zu diskutieren. Bei der Fachtagung mit anschließender Podiumsdiskussion am 25. August 2017 im Haus der Region Hannover zeigte auch die Niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt ihre Unterstützung.

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Sozialministerin Cornelia Rundt (3. v.l.) feierte mit dem NTFN das Jubiläum.

Über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zu dem Fachtag erschienen, darunter der Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen Jens Grote oder die Vorsitzende der Kommission für Migration und Teilhabe Filiz Polat MdL. Neben dem Austausch über die aktuelle Versorgungssituation in Niedersachsen wurden vergangene Erfolge wie bevorstehende Hürden diskutiert. Ministerin Rundt, die auch Schirmherrin des NTFN e.V. ist, betonte das große Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Sie leisten seit Jahren eine überaus wichtige Arbeit. Sie stehen traumatisierten Flüchtlingen und Folteropfern zur Seite und unterstützen sie auf ihrem Weg, im gesellschaftlichen Leben Fuß zu fassen. In relativ kurzer Zeit – insbesondere in den vergangenen beiden Jahren – hat das NTFN sehr viel bewegt und baut die bestehenden Angebote nun weiter aus. Diesen unschätzbaren Kraftakt gilt es weiter zu unterstützen.” Deshalb fördere das Land das Netzwerk bis 2018 in besonderer Weise.

2007 wurde der Verein gegründet, 2014 konnte erstmals ein eigenständiges Psychosoziales Zentrum in Hannover errichtet werden. Ziel des Vereins ist es, niedersachsenweit eine fachgerechte Versorgung traumatisierter Flüchtlinge zu erreichen. Dazu Vorstandsvorsitzende Susanne Schröder: „Auch wenn schon viel erreicht ist, so geht es jetzt um die Konsolidierung und Fortführung unseres Projekts. Der Bedarf besteht weiterhin in großem Umfang.“ Das Zentrum hat im letzten Jahr über 900 Personen aus 35 verschiedenen Ländern betreut, Tendenz steigend. Die größte Gruppe bildeten afghanische Flüchtlinge.

Bei der Podiumsdiskussion wurde der Frage nachgegangen, wie dieser steigende Bedarf bewältigt werden kann und welche Einflussmöglichkeiten die Landespolitik auf bestehende Probleme hat, etwa die gehäuften Ablehnungen von Psychotherapien durch manche Sozialämter. An der Diskussion nahmen Volker Meyer MdL (CDU), Andreas Hammerschmidt (SPD), Belit Onay MdL (Grüne), Anja Stoeck (Linke) sowie Björn-Christian Seela (FDP) teil. Dabei wurde parteiübergreifend Unterstützung für das NTFN signalisiert.

Während des Fachtags referierte Martin Roger von Amnesty International zu den traumatischen Erfahrungen, die viele Geflüchtete aus ihren Herkunftsländern mitbringen, während Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen die vergangenen zehn Jahre niedersächsische Asylpolitik nachzeichnete. Die Arbeit des NTFN e.V. wurde mitunter durch Projektmitarbeiterin Jenny Thomsen vorgestellt. Sie evaluiert das sogenannte „Friedländer Modell“, bei dem der Sozialdienst der Erstaufnahmeeinrichtung Friedland, eine örtliche Klinik und das NTFN eng zusammenarbeiten, um traumatisierte Flüchtlinge frühzeitig zu erkennen. Das Modell hat laut Thomsen Vorbildcharakter für andere Bundesländer. Andere Angebote des Netzwerks umfassen etwa Einzel- und Gruppentherapien mit Dolmetschern oder telefonische Fachberatung. Dank einer Landesförderung werden derzeit weitere Standorte des NTFN in Göttingen und Osnabrück errichtet, zusätzliche sollen folgen. In Zusammenarbeit mit örtlichen Kliniken wird dadurch die Versorgungssituation außerhalb der großen Städte verbessert.

Sehen Sie auch Impressionen des Fachtags unter https://www.ntfn.de/fachinfo/fortbildungen/dokumentation-der-ntfn-fortbildungen/.