NTFN bezieht Stellung: Misstrauen, Hass und Angst machen uns alle krank! Für eine Gesellschaft der gelebten Solidarität.

[Der nachfolgende Text als PDF zum Farbausdruck]

Die aktuellen Debatten um das Thema Flucht sowie eine ablehnende Haltung gegenüber Flüchtlingen wirken sich vermehrt auf deren seelische und körperliche Gesundheit aus. Das stellen die Therapeut*innen des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN e.V.) in ihrer Beratungsarbeit zunehmend fest. Der Verein, der im vergangenen Jahr über 1400 Flüchtlinge in Niedersachsen psychosozial und psychotherapeutisch versorgt hat, beklagt eine Atmosphäre der Angst und Verunsicherung, die in der alltäglichen Beratungsarbeit spürbar wird. Auch Diskriminierungserfahrungen nehmen wieder zu. Dazu die Geschäftsführerin des Vereins, Karin Loos:

„Die Flüchtlinge, die hier zunächst mit viel Herzlichkeit und Engagement aufgenommen wurden, verstehen nicht, was sie falsch gemacht haben. Auch viele Ehrenamtliche sind verunsichert und fühlen sich in ihrem anhaltenden zivilgesellschaftlichen Engagement nicht mehr gewertschätzt.“

Der NTFN e.V. beklagt, dass praktische Solidarität schleichend durch Misstrauen ersetzt wird. Dieses gesellschaftliche Klima hat auch Auswirkungen auf die Gesundheit von Geflüchteten. Für eine Überwindung traumatischer Ereignisse, wie sie viele Geflüchtete erleben mussten, sind eine wohlwollende Aufnahme und ein sicheres Umfeld wichtige Voraussetzungen. Die Anerkennung des im Herkunftsland erlittenen Unrechts gehört dazu. Eine politische Kultur, die Flucht als „Asyltourismus“ begreift und psychologische/ärztliche Gutachten unter Generalverdacht stellt, geht in eine andere Richtung. Der NTFN e.V. beklagt zudem, dass trotz bekannter Gefährdungslage Menschen vermehrt von Rückführungen und Abschiebungen bedroht sind.

Wir sind erstaunt und empört, mit welcher Selbstverständlichkeit sich Ressentiments medial und im zwischenmenschlichen Umgang entladen. Diese Erscheinung beschränkt sich längst nicht mehr auf die politischen Ränder. Aussagen, die weniger der Realität als der Rhetorik geschuldet sind, haben dennoch konkrete Auswirkungen auf die Betroffenen. Sie äußern sich in konkreten Handlungen auch in Niedersachsen, seien es ausländerfeindliche Proteste gegen einen Moschee-Bau in Papenburg, seien es vermehrte Angriffe auf die Unterkünfte von Asylsuchenden und deren Unterstützer*innen.

Dazu NTFN-Vorstandsvorsitzende Susanne Schröder: „Die Integration von Geflüchteten ist in unser aller Interesse. Setzt sich der aktuelle Kurs weiter fort, ist mit Zunahme der seelischen und körperlichen Erkrankungen und der psychosozialen Isolation der Betroffenen zu rechnen. Mit diesen negativen Folgen werden Betroffene, ihre Familien sowie die Gesamtgesellschaft noch lange zu kämpfen haben. Das schadet uns allen!“

Aus diesem Grund unterstützt der NTFN e.V. die geplante Großdemonstration am 13. Oktober 2018 um 13 Uhr in Berlin, zu der verschiedene Organisationen und Prominente unter dem #unteilbar aufrufen.

Kontakt (auch für Interessenten an der Demo): a.wuehle@ntfn.de