Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge kritisiert Nachzugsregelung

Meldung des Evangelischen Pressedienstes (epd) vom 10.5.2018:

‘Das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge Niedersachsen hat im Blick auf die am Mittwoch vom Bundeskabinett gebilligte Neuregelung des Familiennachzugs für Flüchtlinge vor den langfristigen Folgen gewarnt. Die Trennung von Familien über mehrere Jahre führe insbesondere bei Kindern zu extremen psychischen Belastungen, sagte Geschäftsführerin Karin Loos dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. “Je später wir die Einreise von Angehörigen zulassen, desto mehr Aufwand haben wir bei der Integration und der Bewältigung von Traumatisierungen.”

Das Bundeskabinett verabschiedete einen Gesetzentwurf, wonach Flüchtlinge mit untergeordnetem, subsidiärem Schutzstatus ab August wieder Angehörige zu sich nach Deutschland holen dürfen. Allerdings ist dieser auf 1.000 Personen pro Monat begrenzt. Der Bedarf ist deutlich höher: Mindestens 26.000 Angehörige von Flüchtlingen haben bereits Terminanfragen in deutschen Auslandsvertretungen gestellt, um ihre Visa-Anträge einzureichen, wie die in Düsseldorf erscheinende “Rheinische Post” (Mittwoch) berichtete.

Die Hoffnung, die Familie nachholen zu können, habe auf viele Flüchtlinge zunächst eine stabilisierende Wirkung gehabt, berichtete die Geschäftsführerin. “Wir haben Leute in der Beratung, die konnten bestimmte Erlebnisse deshalb schneller verarbeiten.” Als im Frühjahr 2018 deutlich wurde, dass sich der bereits 2016 ausgesetzte Familiennachzug weiter verzögern würde, hätten sich bei vielen die Symptome wieder verschlimmert.

Das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge Niedersachsen vermittelt eigenen Angaben zufolge Therapieplätze oder Dolmetscher und bietet selbst in einem Psychosozialen Zentrum Beratung und Therapie für Flüchtlinge an. Ärzte werden über soziale, psychische und somatische Aspekte von Menschenrechtsverletzungen, Folter und ihren Folgen fortgebildet.’