Ärztekammer Diyarbakir ehrt Dr. Gisela Penteker

In schwierigsten Zeiten an der Seite der Kurden
IPPNW-Pressemitteilung vom 23.3.2015 Die Ärztekammer Diyarbakir hat die deutsche IPPNW-Ärztin Dr. Gisela Penteker für ihren jahrelangen Einsatz für die Kurden ausgezeichnet. „Wir kennen Gisela Penteker seit 16 Jahren. Sie ist einer der Menschen, die auch in den schwierigsten Zeiten zu uns gestanden haben“, hieß es in der Laudatio. Gisela Penteker befindet sich zur Zeit mit einer IPPNW-Delegation in der Türkei. Seit 1998 reist sie im Auftrag der ärztlichen Friedensorganisation regelmäßig in kurdische Gebiete in der Türkei. Zudem ist die Ärztin Mitglied im Vorstand des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge Niedersachsen und setzt im niedersächsischen Flüchtlingsrat für Flüchtlinge sowie abgeschobene Menschen ein.So auch immer wieder für Kurden und Kurdinnen wie Gazale Salame, die 2005 von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung Niedersachsen schwanger mit der jüngsten Tochter in die Türkei abgeschoben und von ihrem Mann und den älteren Töchtern getrennt worden war.

Im Rahmen der diesjährigen Türkeireise hat die Ärztekammer von Diyarbakir TeilnehmerInnen der Delegation ermöglicht, das Camp Findikli zu besuchen, wo 3.750 jesidische Flüchtlinge aus Sindschar im Nordirak seit acht Monaten ausharren. Im Unterschied zu den Flüchtlingen aus Syrien erhalten die Jesiden aus dem Nordirak keinen legalen Aufenthalt in der Türkei. Abgeschoben werden sie auch nicht. Der türkische Staat ignoriert sie. Dadurch gibt es auch keine internationale Hilfe.

Die Menschen, die in Camp Findikli auf der Flucht vor den Gräueltaten des IS gestrandet sind, sind schwer traumatisiert. Für sie gibt es keinerlei medizinische und psychologische Betreuung. Die Flüchtlinge haben keinen Anspruch auf staatliche medizinische Versorgung. In den Krankenhäusern müssen sie privat bar bezahlen. Die lokale Ärztekammer der Stadt Diyarbakir hat einen ehrenamtlichen Dienst auf die Beine gestellt. Freiwillig und ohne Entgelt arbeiten Ärzte aus Diyarbakir stundenweise in der kleinen Krankenstation im Camp. Die Apotheker der Stadt haben Medikamente gesammelt, aber nicht alle Medikamente sind vorrätig. Viele Menschen bleiben unbehandelt und mit ihren Traumata und Erkrankungen allein. Verbreitet sind besonders Erkältungen und Hautkrankheiten.

Einzig die Stadt Diyarbakir hat sich der jesidischen Flüchtlinge angenommen. Die Hilfe für das Lager belastet den städtischen Haushalt mit rund 25.000 Euro pro Tag. 100 Menschen teilen sich eine Toilette und Dusche. Die Stromkosten betragen monatlich ca. 170.000 Euro. In dem kalten osttürkischen Winter werden die Zelte bis in den März hinein mit Strom beheizt. Die Verantwortlichen fürchen den Sommer, denn in der Tigris-Ebene kann es bis zu 50 Grad heiß werden.