Aktuelles

Adventsgruß des NTFN e.V.

Donnerstag den 5.12.2019

Nichts an der Flucht ist flüchtig. Sie stülpt sich über das Leben und gibt es nie wieder frei
(Ilija Trojanow, Nach der Flucht)

Liebe Mitglieder, liebe Interessierte, liebe SpenderInnen,

Ende 2019 freuen wir uns, dass wir auch im kommenden Jahr unsere Arbeit in Hannover und an den dezentralen Standorten dank der Unterstützung des Landes Niedersachsen weiterführen können. Sie erscheint uns gerade angesichts der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen immer wichtiger. 2019 haben über 4000 Geflüchtete unsere Angebote in den psychosozialen Zentren an verschiedenen Standorten in Niedersachsen in Anspruch nehmen können. Viele von ihnen haben neben den Ereignissen, die zum Verlassen der Heimat geführt haben, Angehörige oder Freunde auf der Flucht verloren. Daher haben wir uns auch in diesem Jahr an dem Buchprojekt „Todesursache: Flucht“ beteiligt, das die im Mittelmeer ertrunkenen Geflüchteten listet und somit das Unrecht (auch für die Hinterbliebenen) dokumentiert.

Besonders am Herzen liegt uns aktuell der Ausbau der Kinder- und Jugendsprechstunden. Neben dem bestehenden Angebot in Hannover konnten wir spezialisierte Sprechstunden in Osnabrück und Braunschweig einrichten, in Göttingen sollen diese ab Januar 2020 starten. Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund haben wir zudem ein traumapädagogisches Projekt in den Sprachlernklassen einer Schule in Hannover durchgeführt.

In unserem Ordner für „Happy News“ finden sich von Jahr zu Jahr mehr Menschen, die uns schreiben oder nochmal aufsuchen, die inzwischen eine Ausbildung oder Arbeit aufnehmen konnten und sich dafür bedanken, das freut uns sehr. 2019 konnten wir auch einige Familiennachzüge feiern, wie bei Adiba (Name geändert) und ihrer Mutter. Knapp vier Jahre hat Adibas Vater auf diesen Moment gewartet. Das Bild zeigt Adiba bei einem Besuch in unseren Räumen, wo sie die Spielzeuge sehen konnte, die ihr Vater in der Wartezeit für die Kinderecke des PSZ hergestellt hat. Die Wunden der jahrelangen Trennung werden die Familien noch lange beschäftigen und auch unsere Arbeit weiter wichtiger machen.

Diese Arbeit wäre ohne Ihre Spenden und Mitgliedsbeiträge nicht möglich. Wir danken dafür ganz herzlich und hoffen, dass wir auch weiterhin auf Ihre Hilfe zählen dürfen.

Wir wünschen Ihnen eine erholsame Zeit im Advent, an Weihnachten, zum Jahreswechsel – und freuen uns auf weitere Zusammenarbeit im Jahr 2020.

Karin Loos, Geschäftsführerin des NTFN e.V.
Susanne Schröder, Mitglied des Vorstands
 


Tag der offenen Tür im PSZ Braunschweig

Donnerstag den 28.11.2019

Das Braunschweiger Team und die Grußredner*innen

Ein gutes Jahr nach der ersten Offenen Sprechstunde in Braunschweig wurde das Psychosoziale Zentrum Braunschweig der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen eines Tags der offenen Tür am 6. November 2019 konnten sich Interessierte über die Arbeit des NTFN e.V. informieren sowie die Räumlichkeiten in Braunschweigs Innenstadt (Bohlweg 14) besichtigen.

Nach einem musikalischen Beitrag des Querflötenspielers Mohammed Karim Telebanpour Bayat begrüßte Karin Loos (Geschäftsführerin des NTFN e.V.) die zahlreichen Gäste. „Einen kleinen Ort der Sicherheit“ habe man hier für Geflüchtete schaffen wollen. Loos dankte dem Nds. Sozialministerium, das die Eröffnung des Zentrums im Zuge der refuKey-Förderung erst möglich gemacht hatte. Anschließend sprachen Dr. Christos Pantazis (Vorsitzender der Nds. Kommission für Migration und Teilhabe), Jens Grote (Präsident der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen) und Martin Klockgether (Leiter des Fachbereichs Soziales und Gesundheit, Stadt Braunschweig), die alle die Wichtigkeit der Arbeit des Psychosozialen Zentrums betonten und sich für eine weitere Unterstützung bzw. Kooperation aussprachen. Abgerundet wurden die Grußworte durch Dr. Ibrahim Özkan (DGPPN) und Jennie Schmedt-Barnstorf (Standortleiterin PSZ Braunschweig). Mit der Eröffnung des Buffets, welches von Menauwar Youssef vorbereitet wurde, fand ein reger Austausch zwischen den Gästen statt, die sich zudem über die Möglichkeiten der Kunst- oder Musiktherapie informieren konnten.

 

Über den Tag der offenen Tür berichteten sowohl Regional Braunschweig online als auch der Braunschweig Spiegel.


“Todesursache: Flucht” Lesung, Gespräch und Musik

Mittwoch den 27.11.2019

 

Am Dienstag, den 03.12.2019 laden Hometown e.V. in Kooperation mit NTFN e.V., Aynouna e.V., Kargah e.V. sowie Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung zu
 
Todesursache: Flucht
Lesung, Gespräch und Musik
Dienstag, 03.12.2019, 19 Uhr, Kargah e.V., Zur Bettfedernfabrik 1, Hannover

In den vergangenen 25 Jahren sind mehr als 35.000 Menschen auf der Flucht nach und in Europa ums Leben gekommen. Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember wurde 2018 die Liste der belegten Todesfälle in Buchform herausgegeben. Zusammengestellt wurde sie von der Organisation UNITED for Intercultural Action. Die mehr als 300 Buchseiten umfassende Liste wird um kurze Porträts von einigen der Gestorbenen, Fotos und Berichten von Überlebenden ergänzt. Wir möchten uns an diesem Abend die Geschichten hinter den namenlosen Zahlen erzählen. Wir werden über Folgen von Flucht sprechen und über die Notwendigkeit der Seenotrettung und das gemeinsame Leben in Hannover.

Mit Musik, Snacks & Gesprächen, Lesungen sowie Beiträgen von Kristina Milz (Mit-Initiatorin des Buches), Hanna Kreisel-Liebermann (Pastorin der Marktkirche Hannover), Markus Stottut (Jugend Rettet), Henning Röhrs (Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V.).

Den Einladungsflyer können Sie hier herunterladen.

Veranstalter: Hometown e.V., www.hometown-hannover, info@hometown-hannover.de

In Kooperation mit: Aynouna e.V., Kargah e.V., Stiftung Leben & Umwelt / Heinrich-Böll-Stiftung Nds., Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V.

Gefördert von: Integrationsbeirat Linden-Limmer

Die Veranstaltung findet im Rahmen der großen Veranstaltungsreihe „Widerstand ist Pflicht“ des Bündnisses „Menschenrechte grenzenlos“ Hannover statt. Weitere Informationen unter: www.menschenrechte.kargah.de oder www.facebook.com/hannovermenschenrechte


NTFN e.V. unterstützt den Antrag “Sicherer Hafen Niedersachsen – Lokale Solidarität für in Seenot geratene Geflüchtete”

Dienstag den 12.11.2019
Mitarbeiter*innen des NTFN sowie Teile des Vorstands bei der Seebrücken-Demo am 6. Juli 2019 in Hannover

Den unten stehenden Antrag von Bündnis 90/Die Grünen hat die Kommission für Migration und Teilhabe heute gegen die Stimme des AfD-Abgeordneten unterstützt.

Die vertretenen Organisationen LAG Freie Wohlfahrtspflege, Deutscher Soldat e.V., AMFN, Türkische Gemeinde, Niedersächsischer Integrationsrat, Vertretung der kommunalen Integrationsbeauftragten, NTFN e.V, kargah e.V., Flüchtlingsrat Niedersachsen, Afrikanischer Dachverband Norddeutschland, Ethno-medizinisches Zentrum sowie die beratenden Fachpersonen Frau Prof. Dr. Graumann und Herr Prof. Dr. Oltmer empfehlen dem Landtag den Antrag anzunehmen:

Antrag: Sicherer Hafen Niedersachsen – Lokale Solidarität für in Seenot geratene Geflüchtete

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Weltweit werden Millionen Kinder, Frauen und Männer durch Kriege und bewaffnete Konflikte aus ihrer Heimat vertrieben oder müssen sie wegen Verfolgung und Ausgrenzung verlassen. Der überwiegende Anteil dieser Menschen sind Binnenvertriebene, die sich im eigenen Land auf der Flucht befinden. Viele andere finden Schutz in den Nachbarstaaten ihrer Herkunftsländer. Nur sehr wenige machen sich auf den Weg nach Europa. Viele Fluchtrouten über Land wurden in den letzten Jahren geschlossen. Die Mittelmeerroute ist deswegen für viele Flüchtende mittlerweile die einzige Option. Diese ist jedoch extrem gefährlich. Obwohl sich im vergangenen Jahr insgesamt weniger Menschen zur Flucht über das Mittelmeer entschlossen haben, ist die Zahl der dabei ums Leben gekommenen weiter angestiegen. Laut dem aktuellen UNHCR Bericht ertranken im Jahr 2018 mindestens 2.275 Menschen. Das sind durchschnittlich sechs Menschen am Tag. Das Mittelmeer ist eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt.

Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten haben die staatliche Seenotrettungsmission „Mare Nostrum“ auslaufen lassen. Sie werden, unter anderem weil sich die EU-Mitgliedstaaten nicht auf einen Verteilschlüssel für die Aufnahme von Geflüchteten einigen können, ebenfalls keine Schiffe mehr im Rahmen der EU-Mission „EUNAVOR MED Sophia“ entsenden. Damit organisiert die Europäische Union keine eigene Seenotrettung mehr. Konflikte europäischer Mitgliedsstaaten werden so auf dem Rücken von in Seenot geratenen Menschen ausgetragen. Dabei ist die Rettung von Menschen in Seenot nach internationalem Recht eine Pflicht.

Niedersachsen hat eine Tradition humanitärer Verantwortung, denn bereits vor 40 Jahren nahm Niedersachsen unter Ministerpräsident Albrecht die vietnamesischen “Boat People” von der Cap Anamur auf. Der Landtag möchte diese Tradition pflegen und dazu konkrete Maßnahmen ergreifen.

Der Landtag Niedersachsen unterstützt deshalb die Initiative „Seebrücke“.

Der Landtag fordert die Landesregierung auf:

Begründung

Weltweit sind Millionen Menschen vor Krieg, Terror, politischer Verfolgung sowie den Folgen der Klimakrise und Armut auf der Flucht. Die beste Möglichkeit, um die Menschen vor der oft gefährlichen Flucht aus ihrer Heimat und allen damit auf die Lebensführung der Betroffenen assoziierten negativen Folgen zu schützen, ist eine Bekämpfung von Fluchtursachen. Diese erfolgt bisher aufgrund fehlender internationaler Solidarität nicht. In der Folge sucht ein Großteil der Flüchtenden Schutz in den zumeist ebenfalls instabilen Nachbarregionen ihrer Herkunftsländer. So ist beispielsweise die Situation in libyschen Lagern verheerend. Folter und sexualisierte Gewalt sind dort an der Tagesordnung. Es verwundert nicht, dass angesichts solcher Bedingungen die Verzweiflung der Geflüchteten dazu führt, sich zur Flucht über die lebensgefährliche Seeroute zu entscheiden.

Die Tatenlosigkeit der EU-Mitgliedsstaaten bei der Rettung in Seenot geratener Flüchtlinge ist inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen. Die Regierungen, auch die Bundesregierung, tragen die politische Verantwortung für die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer. Die Landesregierung darf nicht wegsehen, wenn durch staatliches Versagen Leben und Sicherheit so vieler Menschen gefährdet wird. Im Kontrast dazu stehen zivilgesellschaftliche Initiativen zur Seenotrettung sowie die zahlreichen Menschen, die sich ehrenamtlich um die soziale Integration der Geflüchteten vor Ort, in den Kommunen, bemühen. Sie retten Menschenleben, wo Staaten es unterlassen.

Dieses Engagement spiegelt sich unter anderem auch in der kommunalen Teilnahme an der internationalen Bewegung „Seebrücke“ wider. Deutschlandweit setzen so bereits 86 Städte und Gemeinden ein Zeichen für die Entkriminalisierung der Seenotrettung, in Niedersachsen sind bereits 16 Kommunen beteiligt, und ihre Anzahl wächst. Ein wichtiger Aspekt der Teilnahme an der Initiative „Seebrücke“ ist die Erklärung der Kommunen, gerettete Geflüchtete vor Ort aufzunehmen. Zivilgesellschaftliches Engagement ernst zu nehmen bedeutet, diese kommunale Bereitschaft landesseitig effektiv zu unterstützen.

Die Landesregierung kann Verantwortung übernehmen, indem sie ein Landesaufnahmeprogramm gemäß § 23 Aufenthaltsgesetz einrichtet. Zeitgleich soll sie über den Bundesrat oder über die Innenministerkonferenz auf eine grundsätzliche Änderung von § 23 Aufenthaltsgesetz hinwirken. Bisher sind Entscheidungen über Landesaufnahmeprogramme oberster Landesbehörden vom Einvernehmen des Bundesministeriums des Innern abhängig. Eine Änderung, die dazu führt, dass die obersten Landesbehörden selbst Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen können, korrespondiert direkt mit besseren Fördermöglichkeiten kommunaler Hilfsbereitschaft. Konkret kann durch eine Überführung der bestehenden Einvernehmensregelung in eine Regelung der Benehmensherstellung die Einrichtung humanitärer Aufnahmeprogramme flexibilisiert, erleichtert und beschleunigt werden.

Durch diese Maßnahmen können das Land Niedersachsen und seine Kommunen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Mittelmeeranrainerstaaten wie Italien oder Malta ihre Häfen für Seenotrettende wieder öffnen. Diese Länder knüpfen die Öffnung ihrer Häfen derzeit an die Zusage, dass die Aufnahme durch andere europäische Staaten gesichert ist. Wochenlange unmenschliche Wartepartien von Rettungsschiffen vor Europas Küsten würden damit verhindert, die humanitäre Katastrophe gelindert. Anlässlich einer Umfrage des NDR unter niedersächsischen Landespolitiker*innen im Juli 2018 erklärte eine parteiübergreifende breite Mehrheit, dass sie die private Seenotrettung von Geflüchteten im Mittelmeer unterstützt. Mit dieser Entschließung bekräftigt der Landtag diese Haltung und veranlasst konsequent die erforderlichen Maßnahmen zur Aufnahme der Geretteten


Fachtag zu Genitalverstümmelung (FGM) in Winsen

Montag den 4.11.2019

Am 26.11.2019 findet in Winsen von 9:00 bis 14:30 Uhr ein Fachtag zum Thema „Genitalverstümmelung sichtbar machen“ statt.

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FMG) werden Teile des weiblichen Genitals abgeschnitten oder verletzt. Es handelt sich hierbei um eine schwere Menschenrechtsverletzung, durch welche die Betroffenen oft lange unter körperlichen und seelischen Beschwerden leiden.

Während des Fachtags wird über die Ursachen, die Verbreitung und die Rechtslage in diesem Bereich aufgeklärt. Unter anderem wird auch die therapeutische Leitung des NTFN e.V., Frauke Baller einen Vortrag über die Argumente und Prävention in der Beratungspraxis zur Begleitung von Mädchen und Frauen halten.

Die Anmeldung erfolgt über E-Mail: bmf@diakonie-hittfeld-winsen.de

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Einladung