Aktuelles

Kommentar des NTFN e.V. zu den Ergebnissen der AOK-Studie über traumatisierte Geflüchtete

Donnerstag den 1.11.2018

Eine aktuelle Studie der AOK zeigt: Rund drei Viertel der in Deutschland lebenden Geflüchteten haben Gewalterfahrung gemacht. Etwa 34% haben die Verschleppung oder Ermordung von Angehörigen zu verkraften, jeder Fünfte wurde gefoltert. Viele wurden Zeugen von Ermordungen und Misshandlung, mehr als sechs Prozent war sexueller Gewalt ausgesetzt. Viele der Betroffenen sind mehrfach traumatisiert.

Die Ergebnisse der AOK-Studie decken sich mit den Erfahrungen, die wir im Behandlungsalltag in unseren psychosozialen Zentren tagtäglich machen. Wir sehen uns durch die Studie in der Notwendigkeit unserer Arbeit bestätigt.

An der Befragung des Wissenschaftlichen Dienstes der AOK haben über 2.000 Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und dem Irak teilgenommen. Damit wurden eben jene Herkunftsgruppen abgebildet, die seit 2016 nicht nur den Hauptanteil in Deutschland, sondern auch in unseren Behandlungszimmern ausmachen. Die erschreckenden Erlebnisse, die diese Menschen machen mussten, bleiben nicht ohne Folgen: etwa 44% zeigen Anzeichen einer depressiven Erkrankung. Aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergibt sich für eine solidarische Gesellschaft die Pflicht, zu handeln.

Daher freuen wir uns, dass mit Mitteln des Landes Niedersachsen im vergangenen Jahr sieben weitere NTFN-Standorte ausgebaut werden konnten. Es wurden Mittel für Dolmetscherkosten bereitgestellt, und auch hinsichtlich der psychiatrischen Versorgung sind wir einen Schritt weiter gekommen: Im Rahmen des Kooperationsprojekts refuKey (durchgeführt mit der DGPPN) helfen wir einzelnen psychiatrischen Kliniken dabei, Geflüchteten einen reibungsloseren Aufenthalt in der psychiatrische Regelversorgung zu ermöglichen und diese gleichzeitig besser an psychosoziale Angebote anzubinden. Diese Unterstützung durch die Landesregierung ist erfreulich, und insbesondere mit Hinblick auf andere Bundesländer nicht selbstverständlich. Eine langfristige Finanzierungssicherheit würde für Behandelnde wie Betroffene jedoch zusätzliche Versorgungssicherheit schaffen.

Aus unserer Sicht sind es aber auch die Krankenkassen, die durch Finanzierung geeigneter Therapeut*innen im Kostenerstattungsverfahren Probleme lösen könnten. Hinzu kommen Auseinandersetzungen hinsichtlich der Dolmetschendenkosten, welche von den Krankenkassen generell nicht übernommen werden. Hier sollten gesetzliche Vorgaben eine transparente und eindeutige Rechtslage zugunsten der Betroffenen schaffen, die sonst ohne Sprachmittlung notwendige Leistungen nicht in Anspruch nehmen können.

Wir stimmen überdies mit dem Studienfazit überein, dass ein Mangel professioneller Hilfe in den kommenden Jahren zu nachhaltigen, gesamtgesellschaftlichen Problemen führen kann: ein solcher Mangel würde Integrationsleistungen erschweren, teilweise unmöglich machen und den Betroffenen, wie auch deren Kindern und Kindeskindern (“Sekundärtraumatisierung”) schaden.

(Die vollständige zwanzigseitige Studie finden Sie unter: https://gg-digital.de/imperia/md/gug/beilagen/wido_monitor_0118.pdf)


240.000 Menschen auf der #unteilbar-Demo in Berlin – und der NTFN e.V. mittendrin

Donnerstag den 1.11.2018

Etwa 240.000 Menschen hat das Bündnis zusammengebracht, das am 13. Oktober unter dem #unteilbar für eine solidarische, offene und freie Gesellschaft demonstriert hat. Damit zählt #unteilbar zu den größten Demonstrationen seit der Nachkriegszeit in Deutschland – deutlich mehr Menschen waren zusammengekommen, als von den VeranstalterInnen erwartet.

Mit einem Bus aus Hannover kamen auch etwa 40 MitarbeiterInnen und UnterstützerInnen des NTFN e.V. angereist. Mit einer Altersspanne von 20 bis 82 Jahren, Wurzeln in über 8 Ländern und einem gemeinsamen Ziel verkörperten wir bereits selbst das Motto des Tages. Bei strahlendem Sonnenschein ging es vom Alexanderplatz bis zur Abschlusskundgebung an der Siegessäule. Viele der zahlreichen Banner und Plakate hatte unsere Freizeit-Gruppe im PSZ Hannover entworfen.

Wir sind froh, dass so viele Menschen ein klares Zeichen gegen den anhaltenden rassistischen Aufwind im Land gesetzt haben – aber auch, dass von den Teilnehmenden viele weitere soziale Fragen unserer Zeit aufgeworfen wurden. Wir fühlen uns ermutigt und bestärkt!

Impressionen von der Demo:


Abgeordnete der CDU-Landtagsfraktion zu Besuch im NTFN

Freitag den 26.10.2018

Abgeordnete der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion haben uns im PSZ Hannover besucht und sich dabei über die Arbeit des NTFN e.V. informiert. Zu einem Rundgang mit anschließendem Gespräch durften wir eine Vertretung des Arbeitskreises Soziales, Gesundheit und Gleichstellung begrüßen, darunter Volker Meyer MdL (Vorsitzender des Arbeitskreises), Petra Joumaah MdL (Mitglied des Arbeitskreises) sowie Frank Richter (Referent für Soziales. Gesundheit und Gleichstellung). Gemeinsam haben wir uns über die Lage traumatisierter Geflüchteter im Bundesland sowie über bevorstehende Aufgaben ausgetauscht.

v.l.n.r.: Volker Meyer MdL, Karin Loos (Geschäftsführerin des NTFN e.V.), Petra Joumaah MdL, Frauke Baller (Therapeutische Leiterin, PSZ Hannover), Frank Richter, Susanne Schröder (NTFN-Vorstand)

v.l.n.r.: Volker Meyer MdL, Karin Loos (Geschäftsführerin des NTFN e.V.), Petra Joumaah MdL, Frauke Baller (Therapeutische Leiterin, PSZ Hannover), Frank Richter, Susanne Schröder (NTFN-Vorstand)

 

Kurzer Besuch bei Sohila Abtehi

Kurzer Besuch bei Sohila Abtehi

Frauke Baller präsentiert ihren Therapieraum

Frauke Baller präsentiert ihren Therapieraum


IDOMENI – Zwischen Not und Hoffnung , Live Fotovortrag und Erfahrungsbericht mit David Lohmüller

Montag den 22.10.2018
Fr., 26.10.2018, 19 Uhr, Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, Eintritt frei!
 
EIN FOTOVORTRAG ÜBER MENSCHEN AUF DER FLUCHT
David Lohmüller ist seit Oktober 2015 regelmäßig als freiwilliger Helfer auf den Fluchtrouten Europas im Einsatz. Der freiberufliche Fotograf verbrachte mehrere Monate in dem symbolträchtigen Flüchtlingslager Idomeni, auf der Balkanroute und in verschiedenen Militärlagern in Griechenland und konnte dabei seine Eindrücke fotografisch festhalten.
In seinem ergreifenden Fotovortrag erzählt er von dem schwierigen Alltag in einem der größten Flüchtlingslager Europas, von den Sorgen und Ängsten der Menschen, aber auch von der ungeheueren Hoffnung und Lebensfreude, die die Geflüchteten ihrer Not entgegensetzen. Nach wie vor leben Tausende in griechischen Flüchtlingslagern. Nach der Zwangsräumung Idomenis wurden die Menschen auf das ganze Land in Militärlager verteilt, unter zum Teil katastrophalen Lebensbedingungen – aus den Augen aus dem Sinn. Der Freiburger steht in engem Kontakt mit vielen geflüchteten Familien und Freunden, die er unterwegs kennen lernen durfte und begleitet sie weiterhin auf ihrem Weg in eine ungewisse Zukunft. In seinen bewegenden Fotos werden diese Begegnungen und die aktuelle Situation für Geflüchtete in Europa eindrucksvoll sichtbar und begreifbar. – www.davidlohmueller.com
 
Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/249309219048904/ 
Den Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier
 
Veranstalter: Amnesty International e.V., Gruppe Presse- und Meinungsfreiheit, Amnesty Hochschulgruppe Hannover, Bezirk Hannover, Fraunhofer Straße 15, 30163 Hannover, info@amnesty-hannover.de 
In Kooperation mit: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover http://www.landesmuseum-hannover.niedersachsen.de/, Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge Niedersachsen e.V. https://www.ntfn.de 

NTFN beim Symposium „Kunsttherapie und Migration“

Sonntag den 14.10.2018

Am 14.und 15.September 2018 fand in der Alice Salomon Universität in Berlin ein zweitägiges Symposium „Kunsttherapie und Migration“ statt. Neben Vorträgen und Workshops zu verschiedenen Themen, zum Beispiel zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Vorurteil, gab es viel Raum für vernetzende Gespräche. Doris Wettlaufer vom Standort Göttingen berichtete anhand einer Fallvorstellung über ihre Erfahrungen mit Cipbs (Conflict imagination paining and bilateral stimulation), die sie erstmalig im Setting „Psychotherapie zu Dritt“ anwandte.


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